Trainerjahre

Die verkohlten Trümmer der Rütt-Arena ragten noch einige Jahre als ein trauriges Denkmal in den Himmel und dienten Kindern als Spielplatz, bevor sie endgültig abgetragen wurden.

1937 wurde Walter Rütt, der inzwischen fast völlig mittelos  war, das Amt eines Reichs-Sportlehrers angeboten. Als solcher war er sowohl für die Nachwuchförderung als auch für die Nominierung der Nationalmannschaft verantwortlich. Diese Position setzte allerdings die Mitgliedschaft in der NSDAP voraus. Der Beitritt, so der Zeitzeuge Klaus Budzinski, erfolgte unüberzeugt. (Quelle: "Fredy Budzinski" von Renate Franz)

Nachfolgend ist auszugweise ein Artikel aufgeführt, der am 29. Juli 1941 im Magazin "Deutsche Sport-Illustrierte" erschien. Er macht deutlich, auf welche Art und Weise sich die Propaganda des Nationalsozialismus die Popularität Walter Rütts zunutze machte.

„Das Leben hat ihn nicht zerbrochen, obwohl es ihn mächtig hin- und herriss. Es gab Zeiten, da wurde dieser Rütt gefeiert gleich den anderen Rad-Göttern des wilhelminischen Deutschland. Es war die Zeit, wo man den großen Radfahrern diamantbesetzte Zigarettendosen hinschmetterte, aus blanker Begeisterung und wo man sie heftiger feierte, als später die bekanntesten Fußballspieler. Rütt musste alles bitter bezahlen. Rütt war kein Hans im Glück.

Walter Rütt als Trainer von Jean Schorn und Albert Richter


Undatierte Aufnahme von Walter Rütt als Trainer
von Jean Schorn und Albert Richter

Er stand hinter den Nickelhähnen einer Gastwirtschaft am Sportpalast, aber er kam in eine Flaute. Er hatte die Rütt-Arena gebaut, wohl in Erinnerung an Zeiten des Radsports, die nicht mehr herabzubeschwören waren: sie brannte ab. Er ging nie unter. Der Kopf wurde grau und eisgrau. Rütt lächelte wenig. Aber er blieb, der er war: ein Mann mit Mut und Herz. Das neue Deutschland hat ihn auf einen schönen Platz gestellt, Walter Rütt gibt sein Wissen an die Jugend weiter.“

Der Radsportlehrer in einer Karikatur von Howard Freeman


Der Radsportlehrer
in einer Karikatur von Howard Freeman

Am 31. Oktober 1942 heiratete Walter Rütt Gertrud Brinkmeier. (In Dokumenten des Standesamtes Würselen findet man einen Eintrag, wonach dies die dritte Eheschließung Walter Rütts war. Über eine zweite Ehe liegen allerdings weder dort noch bei den Behörden in Berlin Informationen vor.)

Anlässlich des 60. Geburtstages von Walter Rütt schrieb das offizielle Organ der Pflicht- und Fachverbände des Fahrrad Gross- und Einzelhandels "FKZ" im Heft 12 vom September 1943:

"Als Reichsbundlehrer steht Walter Rütt auch heute noch immer im Dienst am deutschen Sport, indem er die radfahrende Jugend zu leistungsfähigen, brauchbaren Rennfahrern heranbildet. Die Erfolge unserer Jungmannen und Amateure im In- und Auslande beweisen, dass der Altmeister mit seiner Erziehungsmethode auf dem richtigen Wege ist. Hoffen wir, dass diese brauchbare Kraft dem deutschen Radsport noch recht lange erhalten bleiben möge."

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