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Biographie (8)

 

 

Im Alter

 

Walter Rütt versuchte sich in der Folge als Rundfunkreporter und arbeitete als Repräsentant für das Berliner Fahrradgeschäft Machnow. Er scheiterte aber in dem gleichen Masse, wie er in seinen Glanzzeiten erfolgreich gewesen war. Seine klägliche Rente besserte er zuletzt damit auf, dass er Kindern das Radfahren beibrachte. Seine Ehefrau Gertrud führte in der Steglitzer Wohnung Näharbeiten aus.

 

Für Walter Rütt war es eine Selbstverständlichkeit, sein umfangreiches Fachwissen weiter zu geben. Im "Radsport", dem amtlichen Organ des Bundes Deutscher Radfahrer, schrieb er in der Kolumne "Hier spricht Walter Rütt" ungezählte Artikel zu Training, Taktik und gesunder Lebensführung.

 

1957 erschien im "Radsport" seine 23 Folgen umfassende Autobiographie. Diese trug den Titel: "Interessante Anekdoten und Episoden aus meinem sportlichen Leben" und schloss mit den Worten:

 

"War dies das Ende? Nein! Denn da waren noch viele Meisterschaftsrennen, denen ich beiwohnen - noch viele Sechstagerennen, bei denen ich im Geiste unter meinen Kameraden sein konnte. Da würde es noch Versammlungen und Zusammenkünfte aller Art geben, in denen mein Rat erwünscht war - der Rat der Alten, deren Haar im Kampf um den Erfolg so weiss geworden war, wie es das meine jetzt ist. Und vor allem würde eine Jugend auf mich warten, der ich mit Rat und Tat beizustehen vermochte, zum Wohle der Leibesübungen und eines künftigen, besseren Lebens."

 

Zu seinen Hobbys hatte Walter Rütt das Sammeln von Steinen sowie das Schachspielen gemacht.

 

Man sah ihn nur noch im Kreis der "Alten" und hin und wieder bei einem Aschenbahnrennen oder im Sportpalast. Er freute sich, wenn man ihn ansprach, seinen Rat suchte und er aus seinem reichen Erfahrungsschatz berichten durfte.

 

Am 23. Juni 1964 um 14:00 Uhr erlag Walter Rütt in seiner Steglitzer Wohnung einem Herzinfarkt. Der sofort herbei gerufene Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen.

 

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Mit Herbert Weinrich, dem Sieger im Walter-Rütt-Preis

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Walter Rütt im April 1957

„Was habe ich in meinem Leben für Radrennbahnen befahren?

 

Solche, die es waren, solche, die es werden konnten

und solche, die es nie gewesen sind und auch nie wurden.

 

Ich habe Bahnen befahren aus Zement und Holz,

aus Asphalt und Asche, aus Erde und Lehm,

aus Gras und Makadam.

 

Ich fuhr auf Trabrennbahnen und Galoppbahnen,

auf Kricketplätzen und Marktplätzen,

auf Strandstrassen und Landstrassen,

auf Bürgersteigen und Fahrraddämmen,

in Tanzsälen und Schlachthäusern,

in Waffenhallen, Museen und anderen Innenräumen,

die kein Mensch für die Abhaltung von Radrennen

geeignet gehalten hätte.“

Walter Rütt, 1957